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Portugal in 100 Objekten


Custodia de Belém

Custódia de Belém

Die Custódia ist eine im iberischen Raum entwickelte Sonderform der Monstranz. Sie besteht aus einem Schaft mit einem montierten Schaugefäß, in dem eine geweihte Hostie zur Anbetung ausgesetzt — oder bei Prozessionen mitgeführt wird. Monstranzen sind rituelle Artefakte, die typisch für die Gotische Zeit sind; wir kennen keine solche Geräte aus der Romanik.

Die Custódia de Belém, aus Gold und Email, gilt als das Meisterwerk der portugiesischen Goldschmiedekunst. Diese im spätgotischem Stil gestaltete Monstranz wurde von König Manuel I für die Capela Real bestellt.

In seinem Testament hat Manuel diesen Schatz dem Kloster Mosteiro dos Jerónimos in Belém vermacht. In diesem Kloster sollte er begraben werden. (Daher die volkstümliche Bezeichnung dieses Kunstwerkes: Custódia de Belém).

Für die Herstellung dieser Monstranz wurden 500 Goldmünzen eingeschmolzen, die der blutrünstige Seefahrer und Admiral Vasco da Gama mitbrachte, als er von seiner zweiten Indienfahrt 1503 nach Lissabon zurücksegelte.

Die Münzen wurden vom Häuptling von Quíloa (heutiges Kilwa Kisiwani, in Tansania), als Vassalen-Tribut an den König von Portugal bezahlt — als Zeichen seiner Unterwerfung.

Gil Vicente

Gil Vicente wurde um 1465-70 in Guimarães geboren. Er wurde 1509 zum königlichen Goldschmied ernannt, 1513 durch König Manuel I zum Münzmeister an der Casa da Moeda (Münze) von Lissabon bestellt.

Gil Vicente genoss bereits zu Lebzeiten großes Ansehen. 1512 trat er als Gildesprecher der Gold- und Silberschmiede Lissabons auf, und seine Stellung wurde 1513 noch durch die Ernennung zum Münzmeister gefestigt.

Als königlicher Goldschmied war er bis 1517 auch für Manuels Schwester Dona Leonor, Witwe von João II, tätig.

Obwohl er damit Superintendent aller Gold- und Silberarbeiten der drei namhaften religiösen Häuser wie des Klosters von Jerónimos in Belém, des Hospitals Todos-os-Santos in Lissabon (1755 beim Erdbeben zerstört) und in Tomar des Klosters Ordem de Cristo war, ist die Custódia de Belém sein einzig bekanntes Werk.

Auf Grund der Überlieferung des Chronisten João de Barros setzte Manuel I 1503 bei Rückkehr der Armada von Vasco da Gamas zweiter Indienreise und den Erträgen aus Quíloa (heute Quilon) fest, daß aus den fälligen Tributzahlungen eine goldene Custódia von bisher nie dagewesener Pracht hergestellt werden sollte.

Geweiht wurde sie 1506 der Nossa Senhora de Belém — aber erst später im Chor der gleichnamigen Kirche des Klosters von Jerónimos in Belém aufgestellt. Zunächst hat sich Manuel I dazu entschlossen, das wertvolle Stück in seiner privanten Schatzkammer aufzubewahren. Die Ausführung dieses Werkes wurde Gil Vicente in Auftrag gegeben und laut königlichem Testament von 1517 auch von ihm vollendet.

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Ein Zeugnis der frühen portugiesischen Aktivitäten in Afrika: Kupfer-Statuette eines portugiesichen Soldaten, der einen Vorderlader hält. Benin, Nigeria, 17. Jahrhundert.  

Die Custódia de Belém, heute im Museu Nacional de Arte Antiga in Lissabon ausgestellt, ist ein Meisterwerk nationalen Ranges, nicht nur bedeutendste Goldschmiedearbeit Anfang des 16. Jahrhunderts, sondern der portugiesischen Kunst generell. Gleichzeitig ist es ein Dokument der Knechtung Afrikas durch die Kolonialmächte Europas. Hier waren die Portugiesen Vorreiter.

Auf der Bais ist folgende Beschriftung angebracht:

O. MVITO. ALTO. PRI(N)CIPE. E. PODEROSO. SE(N)HOR. REI. DÕ. MANVEL.I. A. MANDOV.FAZER. DO OVRO. I.DAS.PARIAS. DE. QVILOA. AQVABOV. E.CCCCCVI

CB
Die Figuren der Aposteln, aus Massivgold und Email. Museu de Arte Antiga

Gil Vicente, Goldschmied und Autor?

Gil Vicente war ein wichtiger Dramaturg. Ist dieser Theaterautor dieselbe Person wie der Goldschmied? Der englische Schriftsteller T. P. Waldron ist der Meinung, daß es sich um ein und dieselbe Person handelt: „From the few biographical details available it could beinferred that Vicente began his career as a goldsmith, but, having shown a talent for dramatic improvisation, was increasingly employed by his royal patrons as court playwright and organizer of stage entertainments for special occasions.“

Aber viele Kritiker sind skeptisch gegenüber diesem einzigen Beweis und die zum Teil sehr polemischen und/oder spitzfindigen Meinungen über dieses Thema sind sehr unterschiedlich. Manche denken, daß ein aufwendiges Werk wie die Monstranz von Belém unmöglich neben dem Schreiben von Theaterstücken herzustellen sei.

Folgt man José Ferreira Tomés Meinung, daß es in dem Werk von GV mehr als hundertfünfzig Wörter aus dem technischen Wörterbuch des Goldschmiedes gibt und mehrere Hinweise auf Gold und Edelsteine gemacht werden? Gonçalves Rosa ist der gleichen Meinung und behauptet, daß nur ein Goldschmied, und der zugleich auch ein Poet ist, solche feinen Bilder schaffen könne.

Gegen die Identifikation des Goldschmiedes GV und des Poeten GV treten mehrere Historiker auf.

Links

Seit 1925 ist die Custódia de Belém im Museu Nacional de Arte Antiga, in Lissabon, ausgestellt. www.museudearteantiga.pt/