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Portugal in 100 Objekten

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Münze aus Gold, Portugal in 100 Objekten

Goldstück im Werte von 20.000 Reis, Prägung vom absolutistischen
König João V von Portugal (João Francisco António José Bento Bernardo).
Diese Münze wurde in Minas Gerais, Brasil, 1726, gegossen und geprägt.

Goldmünze, 20.000 Reis

Johannn V von Portugal, portrait von Pompeo Batoni

Nachdem die indianische Bevölkerung Brasiliens sich als „ungeeignet” für die Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen erwiesen hatte, begann spätestens ab 1550 Portugal, Afrikaner systematisch nach Brasilien zu verschleppen.

Mehr als 3 Millionen schwarze Sklaven, etwa 37 % aller nach Amerika verschleppten Afrikaner, wurden nach Brasilien gebracht. Während der kolonialen Zeit in Brasilien war die Sklaverei die Hauptstütze der brasilianischen Wirtschaft, zunächst beim Anbau von Zuckerrohr und der Produktion von Zucker, dann im Bergbau.

Die Basis für den Reichtum leistete zunächst die typische Produktionseinheit im kolonialen Brasilien des 16. und 17. Jahrhunderts: die fazenda, die von Sklavenhand betrieben, Zucker in Monokultur produzierte.

Edelsteine, Silber und Gold

Dies kann seit Anfang der Kolonisierung belegt werden: in einem Schreiben von 1551 bittet Jesuitenpater Manoel da Nóbrega (1517 – 1570) dem König João III., daß er ihm Sklaven sende.

Seit der ersten Besiedlung Brasiliens (und des Restes von Lateinamerika) wurde die Existenz von großen Lagerstätten von Edelsteinen, Silber und Gold vermutet.

Allerdings wurde über länger als 200 Jahren keines davon in nennenswerten Mengen gefunden; die Kolonialherren konzentrierten sich auf die Zuckergewinnung. Schlagartig änderte sich dieses Ende des 17. Jahrhunderts: man entdeckte eine größere Gold­ader im Hinterland des heutigen Minas Gerais. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer und löste ein Ansturm auf diese vormals von Weißen unbesiedelten Gebiete aus.

Im Folgenden wurden auch in Bahia, Mato Grosso und Goiás Lagerstätten gefunden. Zu dieser Zeit wird die Bevölkerung (ohne Ureinwohner) auf etwa 300.000 Seelen geschätzt, wobei sich die Mehrzahl im Nordosten angesiedelt hatte. In der Hoffnung auf den schnellen Reichtum ließen viele alles stehen und machten sich auf, um Gold zu schürfen.

Die größte Bevölkerungsbewegung im Zuge der Goldfunde kam aus Portugal. Von 1700 bis 1750 kamen rund 600.000 Portugiesen nach Brasilien und die Bevölkerungszahl von Minas Gerais stieg im Laufe des 18. Jahrhunderts von rund 30.000 auf eine halbe Million an.

Der Handel mit Sklaven aus Afrika, der sich zunächst für die Produktion von Zucker entwickelt hatte, wurde durch den Bedarf von Arbeitskräften in den Minen nochmals inten­siviert. Tausende von Sklaven wurden zu Schwerstarbeit in den Minen gezwungen, wobei unzählige dabei umkamen. Pro Jahr wurden durchschnittlich 2.000 neue Sklaven aus Afrika importiert, die direkt in den Minen verheizt wurden.

Nachdem im Jahre 1640 ein Aufstand in Portugal („Restauration”) die Herrschaft der spanischen Felipes beendet und das Haus Bragança an die Macht gebracht hatte, entwickelte sich Brasilien zur wichtigsten Kolonie für Portugal – spätesten dann als man große Gold- und Diamantvorkommen in Minas Gerais entdeckte (1692 – 1694). Diese vermehrten explosionsartig den Reichtum der portugiesischen Krone, die auf den Goldhandel ein Monopol hatte.

Sklavenhaltung
Sklavenhaltung in Brasilien, 1830

In ganz Europa begannen Goldmünzen zu zirkulieren, die mit den Namen und Wappen der portugiesischen Monarchen geschmückt waren. Es war der erste «gold rush» in den Amerikas. Das bedeutendste Goldvorkommen wurde 1720 registriert. Großbritanien war der größte Abnehmer portugiesich-brasilianischen Goldes, insbesondere nachdem das Methuen Treaty, eine „Allianz” mit Portugal, 1703 unterschrieben wurde.

Nun schützte die britische Flotte den Handel mit Brasilien, und dafür durfte England jede Form von Handel direkt mit Brasilien betreiben. Da die Handelsbilanz immer zugunsten Englands ausschlug, wurden die Schulden mit brasilianischem Gold bezahlt.

Minas Gerais

Das Erz aus Minas Gerais wurde in zwei Serien geprägt; eine, mit Münzen von 12.000 und 24.000 reis, für die Zirkulation innerhalb Brasiliens. Die andere Serie, mit Münzen von 20.000 Reis. Diese Münzen trugen die Wappen Portugals und die Cruz de Cristo, dazu vier mal ein M, für Minas Gerais.

Der Name Minas Gerais heißt so viel wie „Allgemeine Minen“; hier finden sich zahlreiche Minen und Abbau­gebiete unterschiedlicher Erze sowie von Phosphaten. Heute werden Aluminium (Bauxit) und Zink abgebaut. In Minas Gerais gibt es große Vorkommen an verschiedenen Mineralen und Gesteinen. Die historischen Goldreserven, die einst Reichtum und Macht dieses brasilianischen Bundesstaates begründeten, sind heute weitestgehend ausgeschöpft.

In den alten Goldminen werden heute jedoch umfangreiche Diamantvorkommen ausgebeutet. Außer Gold und Diamanten werden noch zahlreiche weitere Mineralien abgebaut. Insgesamt wurden im Gebiet von Minas Gerais bisher (Stand: 2011) rund 670 Minerale und ihre Varietäten gefunden.

Dazu gehören unter anderem die als Schmucksteine bekannten Beryllvarietäten Smaragd und Aquamarin sowie Jadeit, Muskovit, Rosenquarz und Spodumen, von dem die Schmucksteinvarietät Kunzit bekannt ist.

Portugal war zwar Pionier in der formellen Abschaffung der Sklaverei — im Jahre 1761 — doch dieses System der Ausbeutung von Menschen blieb noch lange de facto bestehen.

Der „allergläubigster König“ Johann V. wird als gebildet und vielseitig interessiert geschildert; er nahm sich Ludwig XIV. von Frankreich zum Vorbild. Seinen Reichtum legte der König in monstruöse Protzbauten an, z.B. im Klosterpalast von Mafra, in der Universitätsbibliothek von Coimbra und im Aquädukt von Águas Livres in Lissabon an. Das dafür nötige Vermögen stammte aus dem brasilianischen Goldhandel.

Oben: Johann V, Portait von Pompeo Batoni.

Literatur

C.M. Almeida do Amaral, Catalogo descritivo das moedas. (Lisboa, Imprensa Nacional Casa da Moeda, 1977)
P. Vilar, A history of gold and money, (London, NLB, 1991).

Münze oben: Foto: British Museum.

Boxer, Charles. The Golden Age of Brazil, 1695–1750 (1962)

Boxer, Charles. The Dutch Seaborne Empire (1965)

Boxer, Charles. The Portuguese Seaborne Empire (1969)

Sklaven in Brasilien, Portugal in 100 Objekten

Diamantenwäscher, Sklavenarbeiter im kolonialen Brasilien.

Portugal war zwar Pionier in der formellen Abschaffung der Sklaverei — im Jahre 1761 —
doch dieses System der Ausbeutung von Menschen blieb noch lange de facto bestehen.

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