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Portugal in 100 Objekten

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S. Vicente

Eine beeindruckende Galerie der Vips am Hofe von König Afonso V:

Adelige, Seefahrer, Krieger, Prälaten, Geschäftsleute – und ein Märtyrer.

Das hervorragende Meisterwerk aus dem Lissaboner Museum für Alte Kunst ist der gegen 1440 gemalte Vinzenz-Altar von Nuno Gonçalves, der aus sechs großen Tafeln mit insgesamt 58 Porträts besteht.

Vinzenz-Altar von Nuno Gonçalves

In diesem Políptico de São Vicente ist eine der dominierenden Erscheinungen die Gestalt des Infante Santo, jenes Ferdinand von Avis, der, als Sohn des Königs Joao I und der Philippa of Lancaster geboren, den Staats­interessen geopfert wurde und deswegen 1443 in einem Kerker im nordafrikanischen Fès enden mußte.

Die portugiesischen Könige waren entschloßen, über ihre eigene Leichen zu gehen. Als Großmeister des Ritterordens von Avis ging Ferdinand 1437 mit seinem Bruder Heinrich nach Afrika, um den Marokkanern die Stadt Tanger zu entreißen; der Angriff wurde jedoch zurückgeschlagen, die Portugiesen erlagen den Mauren. Um sich zu retten, mußten sie versprechen, Ceuta abzutreten. Ferdinand blieb als Geisel zurück, während Heinrich nach Portugal zurückkehrte.

Diese großartige Bildgalerie von würdigen Figuren – eines der ersten Kollektivbildnissen der europäischen Malerei – versetzt uns in die Zeit Portugals, in der die Eroberungen in Afrika und die Entdeckungsfahrten zur See der Krone erste nennenswerte Erträge einzufahren begannen; alle hier Portraitieren strahlen ein nicht zu übersehendes Selbstbewußtsein aus.

Ein stiller Stolz versammelte sie; alle sind Kumplizen, weil sie, in der einen oder der anderen Weise, am erstarkenden Königreich Portugal beteiligt sind. Nicht zu übersehen ist die Figur des Infante Dom Henrique (genannt der Seefahrer), der Chefstratege und Auftraggeber der portugiesischen Entdeckungsreisen im 15. Jahrhundert. Die von ihm initiierten Entdeckungsfahrten entlang der afrikanischen Küste begründeten die portugiesische Seemacht und stellen den Beginn der europäischen Kolonial-Expansion dar.

Der Maler Nuno Gonçalves war zwischen 1450 und 1490 aktiv. Im Jahre 1450 wurde er durch König Afonso V zum Hofmaler ernannt. Über sein weiteres Leben ist wenig bekannt. Als sein bedeutendstes Werk gilt der Flügelaltar Anbetung des Heiligen Vinzenz (Paineis de São Vicente de Fora), ein Polyptychon, das sich im Museu Nacional de Arte Antiga in Lissabon befindet. Ein bedeutender Schwerpunkt der Sammlung dieses Museums sind Werke portugiesischer Künstler, das Polyptychon ist das strahlende Juwel.

Das (heute verschollene) Meisterwerk von Nuno Gonçalves wurde für die im Erdbeben von 1755 zerstörte Kathedrale von Lissabon geschaffen; das hier in diesem Buch gezeigte Werk über São Vicente, Schutzheiliger von Lissabon und der Könige Portugals, war bis 1882 ignoriert worden, als es dann im Kloster von São Vicente „wiederentdeckt” wurde.

Aber erst 1931, als dieses riesige Gemälde in Paris ausgestellt wurde, wurde Gonçalves die internationale Anerkennung gezollt, die sein Werk verdient. Die ersten systematischen Forschungen, an denen Wissenschaftler, Historiker und Restauratoren partizipierten, fanden erst 1994 statt. Weitere Forschungen, 2001 unternommen, zeigten, daß die Tafeln in den 40er Jahren des 15. Jahrhunderts gemalt wurden.

Museu das Janelas Verdes, Museum für Alte Kunst

Das Museu Nacional de Arte Antiga (auch bekannt als Museu das Janelas Verdes, Nationalmuseum für Alte Kunst) ist das bedeutendste Museum Portugals. Nach der Säkularisation im Jahr 1834 waren die Kunstwerke zahlreicher Kirchen und Klöster weit verstreut und teilweise zerstört worden – bis 1882 eine Retrospektive über portugiesische und spanische dekorative Kunst im Alvor-Palast gezeigt wurde.

Die Regierung beschloss daraufhin, die staatlichen Bestände für eine Dauerausstellung im Alvor-Palast zusammenzuführen. 1884 wurde dann das Museu Nacional de Arte Antiga offiziell eröffnet. 1893 wurden die archäologischen Sammlungen ausgelagert, die heute im Museu Nacional de Arqueologia zu sehen sind. Nach der Ausrufung der Republik (1910) wurde die Sammlung um große Bestände aus dem Königshaus erweitert. Seither wuchs die Sammlung durch Schenkungen und Stiftungen weiter an. 1911 wurde die zeitgenössische Kunst an das Museu do Chiado übergeben.

Weitere bedeutende Portugiesen wie Jorge Afonso und Vasco Fernandes sind ebenfalls in der Sammlung vertreten. Neben den portugiesischen Künstlern begründen auch zahlreiche Werke anderer Künstler den Ruf des Museums. Von Hieronymus Bosch ist die Versuchung des heiligen Antonius zu sehen, von Albrecht Dürer Der heilige Hieronymus.

Ebenfalls vertreten sind beispielsweise Pieter Brueghel der Jüngere, Piero della Francesca, Jan Gossaert, Hans Holbein der Ältere, Pieter de Hooch, Quentin Matsys, Hans Memling, Raffael, Diego Velázquez und Francisco de Zurbarán.

Neben der Gemäldesammlung zeigt das Museum Skulpturen aus sieben Jahrhunderten. Daneben werden Meisterwerke der Gold- und Silberschmiedekunst gezeigt.

Ausschnitt

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