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Portugal in 100 Objekten

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Douro-Karte von Forrester.  Portugal in 100 Objekten

Joseph James Forrester (1809-1861), in Portugal bekannt als Barão de Forrester, hat eine über 3 Meter lange Douro-Karte minutiös und detailgetreu gezeichnet — und drucken lassen. Die genaue Auflage dieser Map of the Wine District Alto-Douro ist nicht bekannt, vielleicht über 100; im Handel taucht sie nur noch sehr selten auf und dann zu einem Preis, der über 10.000 € liegt.

 

Douro-Karte des Baron von Forrester

Marques de Pombal

Sebastião José de Carvalho e Melo,
Marquês de Pombal (1699-1782)

Die Weinregion Alto Douro (Hoher Douro), im Norden Portugals, ist die älteste geschützte Weinbauregion der Welt. Sie zählt seit 2001 zum Unesco-Welterbe. Im Jahr 1756 ließ der absolutistische Premier-Minister Marquês de Pombal die heutige Weinbauregion mit Marksteinen abgrenzen und übertrug hier das Weinbau-Monopol der eigens gegründeten Companhia Geral da Agricultura das Vinhas do Alto Douro.

Damit wurde das Gebiet die erste herkunftsgeschützte Weinregion der Welt. Der Portwein brachte der Region in der Folge erheblichen Aufschwung und verbesserte die Handelsbilanz des ganzen Landes.

Um den Wein und dessen Qualität zu schützen, erließ Pombal Gesetze, die Pfuscher, Pantscher und Betrüger hart bestraften. Der Adel zettelte Aufstände an. Die Rädelsführer ließ Pombal hängen. Kaum war Pombal aus dem Amt, begann das Pfuschen, Panschen und Betrügen von Neuem. Der Wein aus Portugal wurde schlecht, billig und wertlos.

Seit Anfang an spielten die Briten eine leitende Rolle in der Herstellung und Vermarktung des Portweines. Die Briten waren es, welche die Hafenstadt Porto über den in Großbritannien enorm beliebten Portwein wichtig werden ließen.

Bereits 1352 knüpften sie "freundschaftliche Bande" mit den Portugiesen, die jahrhundertelang hielten, hatte man doch in den Spaniern einen gemeinsamen Feind. Im Jahre 1654 ließen sich die ersten britischen Weinhändler in Porto nieder, und bald kamen mehr.

Durch ihre de-facto Monopolstellung machten sie blendende Geschäfte mit dem süffigen Stoff, den sie jetzt mit Brandy verschnitten, um es für die Seereise nach England haltbar zu machen. Bereits 1666 wurde von den Engländern in Porto ein Factory House (Gildehaus der englischen Weinhändler) gegründet. Im Jahre 1703 wurde zwischen England und Portugal der Vertrag von Methuen unterzeichnet, welcher, vereinfacht ausgedrückt, den Austausch englischer Textilien gegen portugiesischen Wein regulierte.

Für England war dies ein Vorteil — für Portugal ein wirtschaftlicher Rückschlag. Das Methuen-Abkommen sah vor, daß England ohne Hindernisse und Steuern Textilien nach Portugal (und dessen Kolonie Brasilien) exportieren durfte, während Portugal Portwein nach England ausführte. Dieser Vertrag war nur für England vorteilhaft, denn es erwarb sich dadurch einen Markt für seine Textilprodukte während des Beginns der industriellen Revolution und machte Portugal von sich abhängig. Dazu bekam es den Wein zu einem Preis, der um ein Drittel unter dem Preis für französischen Wein lag.

Zunächst war er Ursache für einen Boom der Portweinproduktion im Norden Portugals. Für Portugal war der Vertrag verhängnisvoll, da seine Textilwirtschaft abgebremst wurde und somit in Portugal die industrielle Revolution viel später und dann auch noch in geringerem Ausmaß stattfand.

Aus dieser Zeit stammen heute so angesehene englische Weinhandelshäuser bzw. Produzenten wie Sandeman, Graham’s, Croft, Cockburn, Forrester, Warre’s, Taylor Fladgate & Yeatman, Cockburn Smithes und Delaforce.

Forrester

Der stets muntere Schotte J.J. Forrester, Neffe des Patriarchen William Offley (Portwein-Dynastie Offley) hat den Weinbau und die Landwirtschaft in Portugal verbessert. In Portugal wurde er in den Adelsstand erhoben und trug dann den Titel Barão (Freiherr).

Weinproduzent, Exporteur, Agronom, Künstler, Kartenzeichner und Pionier der Fotografie: Joseph James Forrester brachte entscheidende Impulse für den verbesserten Anbau des Portweins im Douro-Tal. Er kümmert sich auch um die Wirtschaft Portugals.

Sein erster Kontakt mit diesem Stoff entstand in den Londoner Büros von der Firma Offley. 1831 kam Forrester nach Porto, um für seinen Onkel zu arbeiten; dieser war Partner in der Firma Offley Webber Forrester and Gründungsmitglied der British Association in Porto (die vor kurzem ihr 200jähriges Bestehen gefeiert haben).

Forrester hatte ein dramatisches Ende, er ertrank in der tückischen Douro-Stromschnelle Calão da Caleira. Seine Leiche wurde nie gefunden. Es wurde behauptet, ihn habe sein mit Münzen gefüllter Gürtel in die Tiefe gezogen. Oder er sei vom Mast des Segelbootes auf den Kopf getroffen worden.

Literatur/Dokumentation

Cartografia digitalizada: O Douro portuguez e paiz adjacente contando do rio quanto se pode tornar navegavel em Espanha. Autor: Forrester, Joseph James; Hughes, William [1817-1876]. Online: purl.pt/22487/1/

Der amerikanische Buch-Händler und Portwein-Liebhaber Issac Oelgart hat ein Reprint dieser wertvollen historischen Karte des Dourotals herausgebracht. Zusammen in einer 70 x 50 cm gro0en Luxuskassette befinden sich diese große, sowie weitere von Forrester angefertigte Karten, versehen mit Anmerkungen von Richard Mayson und einem Essay von Debbie Hall vom British Library Map Room. Die Auflage beträgt 220 Exemplare und der Preis liegt bei 1000 bis 1250 €.

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