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Portugal in 100 Objekten

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Guerreiro Lusitano
“Guerreiro galaico” im Museu Arqueológico de Braga. Eine massive Statue aus Granit, in statisch-starrer Haltung, einen runden Schild haltend. Die rechte Hand berührt den Degen, der am Gurt getragen wird. Foto: ph.

Lusitanische Kriegerstatue aus Granit

Irgendwie bringt man die steinernen Kriegerstatuen immer wieder mit dem Widerstand der Keltiberer gegen die römischen Invasoren in Verbindung; man hat sie zum Symbol des Autonomiewillens der autoktonen Völker auf der Iberischen Halbinsel hochstilisiert. Aber was sind die archäologischen Erkenntnisse?

Die überlebensgroßen Steinfiguren wurden im Norden Portugals und in Galicien gefunden. Diese Skulpturen gehören zu den wichtigsten plastischen Zeugnisse der Castro-Kultur, die zu den Kulturen der Eisenzeit der Iberischen Halbinsel zählt.

Bei den Höhensiedlungen der Castro-Kultur wurden mehr als 30 Statuen aus Stein gefunden, die Krieger (guerreiros galaicos) darstellen. Diese recht brutal und klobig wirkende Statuen aus Granit stehen heute im Museu Nacional de Arqueologia MNA in Lissabon, aber auch in lokalen Museen in Braga, Guimarães, Sanfins und Viana do Castelo.

Im Museu Municipal in Viana do Castelo steht jene Kriegerstatue von São Paio de Meixedo, (auch als Estátua de Viana bekannt), eines der drei Stücke, die der deutsche Altertumsfroscher Emil Hübner (Pionier der epigraphischen Forschung auf der Iberischen Halbinsel) 1861 vorlegte.

Es sind meist überlebensgroße, stehende, männliche Statuen aus grobkörnigem Granit. Sie werden als Krieger charakterisiert durch einen runden Schild, den sie vor sich halten, durch ein Kurzschwert oder Degen sowie durch einen kappenartigen, enganliegenden Helm.

Der Gesichtsausdruck ist maskenhaft unbeweglich. Von den 30 dokumentierten Statuen, nur 4 sind beschriftet: Paio de Meixedo (Viana do Castelo); von Santa Comba (Cabeceiras de Basto), von São Julião (Vila Verde) und von Rubiás (Ourense).

 Portugal in 100 Objekten

Alle stehen auf einer Plinthe. Die Arme sind eng an den Körper gelehnt und die Beine durchgedrückt, was zu einer statisch-starren Pose führt.

Die Bekleidung besteht aus einem kurzen, oberhalb der Knie endenden, hemdartigen Gewand.

Um den Hals wird ein Ring (Torque) dargestellt, dessen Enden verdickt sind; weitere Ringe schmücken die Oberarme. Gelegentlich war ein paarweises Auftreten festzustellen.

Ganz auffallend ist die einheitliche Ausführung der Statuen. Dies gilt sowohl für ihre Größe und Ausstattung wie auch für die Verbreitung in Nordspanien / Nordportugal, die hauptsächlich auf das kleine Gebiet nördlich des Flußes Douro bis hin nach Pontevedra beschränkt ist.

Den Kriegerstatuen ist bisher nicht die wissenschaftliche Aufmerksamkeit zuteil geworden, die ihnen gebührt. Nach der ersten Besprechung durch Emil Hübner, in der Archäologischen Zeitung von 1861, nahm die Wissenschaft erst in der Zeit der Jahrhundertwende verstärkt von ihnen Notiz.

Seither hat sich eine (nicht unwidersprochene) Meinung herausgebildet, nach der die Statuen meist in römische Zeit datiert werden, namentlich ins 1. Jh. v.u.Z./ 1. Jh. n.u.Z., letzteres im wesentlichen aufgrund der lateinischen Inschriften, die 4 von den insgesamt 30 Exemplaren tragen — und denen das Interesse Hübners in erster Linie galt.

Die an manchen Statuen dargestellten Torques (Halsringe) entsprechen den in dem Raum der Castro-Kultur gefundenen. Ihre Degen kommen den eisenzeitlichen Waffen auf der Iberischen Halbinsel gleich. Es sind also Dinge dargestellt, die kein römisches Vorbild haben. Aber die Statuen mit lateinischen Inschriften belegen, daß sie nach der römischen Eroberung noch standen bzw. noch in Gebrauch waren...

Historischer Hintergrund

Ab 400 v.u.Z. – begannen die Kelten in die Gegend, die heute dem Norden Portugals und Galizien entspricht, einzudringen. Die Kelten, ein Volk, das aus Mittel- und Osteuropa kam, hat sich schnell mit den Iberer und anderen einheimischen Völkern der Iberischen Halbinsel vermischt, und so zur Entstehung der Keltiberer geführt. Die Lusitaner war eines der verschiedenen keltiberischen Stämme.

Von 194 bis 138 v.u.Z. verzeichnen die Historiker den langanhaltender Widerstand der lusitanischen Stämme gegen die Invasion der römischen Truppen in ihr Territorium.

In diesen Konflikten trat eine Gruppe von Lusitanern hervor, angeführt von Viriatus (179 – 139 v.u.Z.), ein durch Akklamation gewählter Führer. Diese Gruppe brachte den römischen Truppen mehrere schwere Niederlagen bei und wurde zu einem Mythos des Widerstandes der Halbinsel gegen die römische Besetzung...

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