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Portugal in 100 Objekten

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Ana Vasconcelos
Über 150.000 Besucher standen Schlange, um Joanas Ausstellung im prunkvollen Ajuda-Palast in Lissabon zu sehen. Damit brach sie alle Rekorde: noch nie haben so viele Portugiesen die Solo-Ausstellung eines Künstlers gesehen. Damit hat sich Joana definitiv den Ruf der bekanntesten Künstlerin Portugals erworben...

Eine Dame, die sich wie ein Fado-Diva gibt: Sie ist die bekannteste zeitgenössische Künstlerin Portugals

Vom Kochtopf zum Pump

Joana Vasconcelos ist sehr gefragt. Nach ihrer spektakulären Ausstellung im Château de Versailles zeigte sie eine ortsspezifische Installation bei Haunch of Venison in London. Dann bereitet sich die Künstlerin darauf vor, Portugal auf der Biennale Venedig im Sommer 2013 zu vertreten.

Richtig berühmt wurde Vasconcelos vor11 Jahren mit ihrer Arbeit A Noiva (die Braut), einem monumentalen Kronleuchter aus tausenden von Tampons, der offenbar zu kontrovers für Versailles war. Einer ihrer größten Fans ist der Großsammler François Pinault. Sie arbeitet weiter an Textilskulpturen, die oft in großen Formaten Alltagsgegenstände verfremden. Alles sehr nett, sehr bombastisch, alles "a bit too much".

In der Ausstellung bei Haunch of Venison in London zeigte sie Full Steam Ahead (Red#1) (2012), eine kinetische Skulptur in Blumenform, die aus funktionsfähigen Bügeleisen besteht. Dazu erzählte sie in einem Interview: "Ich entwickle solche mechanischen Arbeiten, die sich auf das häusliche Umfeld beziehen, schon seit langer Zeit. Die Idee dahinter ist, daß das Zuhause eine andere Welt mit einer anderen Identität werden kann. Diese Alltagsgegenstände machen unser Alltagsleben einfacher, können einen aber zugleich auch einschränken, da man ohne sie nicht mehr sein kann; da ist also immer Ambiguität. Ich wollte die organische und zugleich gewalttätige Erscheinung dieser Bügeleisen herausstellen, die sie nun mal haben."

Ana Vasconcelos

Noch nie hatten es weibliche Künstler in Portugal leicht. Paula Rego erreichte ihre Position erst nachdem sie lange Zeit in London gearbeitet hatte. Aber die Mißgunst der Portugiesen für weibliche Kunst konnte die Karriere von Joana Vasconcelos nicht stoppen. Heute ist sie die ungekrönte Königin der portugiesischen Kunstszene. Für die einen ist sie Produzentin von unerträglichem Kitsch in Großformat, für die anderen ist sie eine inspirierte Begabung, die die Rolle der Frau auf schlaue und kritische Weise zum Haupthema ihrer Kunst-Shows macht.

Tatasache ist, daß Joana eine besondere Vorliebe für Gehäckeltes und Gestricktes zeigt; auch benutzt sie immer wieder ikonenhafte (aber abgedroschene) Symbole der Volkskunst - wie, zum Beispiel, die Filigranarbeiten in Form von goldenen Herzen, die im traditionsorientierten Norden Portugals so beliebt sind.

Und sie hat reichlich und oft Ideen bei anderen Kolleginen abgeschaut, die schon lange vorher die Rolle der Frau zum Inhalt moderner Kunstprodukte erkoren haben — Marina Abramovic und Méret Oppenheim lassen grüssen. Wen man sich ihre Praxis anschaut, muß man an eine bestimmte Linie in der Kunst denken, weibliche Handarbeit umzudeuten; beispielsweise in den Arbeiten von Louise Bourgeois, Rosemarie Trockel oder Tracey Emin.

Zum Werk von Joana Vasconcelos zählen hauptsächlich Installationen und Plastiken, sowie Videos, Fotografien und Performances. Haute arbeitet sie mit einem Team, das sie unterstützt, denn viele ihrer Kunstobjekte te sind sehr aufwendig herzustellen.

Eines ihrer bekanntesten Werke ist die 7 m hohe Skulptur Nectar, die sich vor dem Eingang des Museu Colecção Berardo in Lissabon befindet. Sie besteht aus Eisen und Glasflaschen und zeigt dem Betrachter, wie aus gewöhnlichen Materialien des Alltags etwas anderes entstehen kann – ein Thema, das sich in Vasconcelos' Arbeiten häufig wiederfindet.

Ein anderes Werk, welches sie bekannt machte, ist die Installation Jóia do Tejo, welche 2006 die Fassade der manuelinischen Torre de Belém behängte. Neben bewährte Techniken der Konzeptkunst setzt Vasconcelos auch alte Handarbeitstechniken wie Häkeln, Stricken oder Nähen ein, oft in Kombination miteinander. So werden beispielsweise Möbel, Musikinstrumente oder Skulpturen mit gehäkelten Netzen umspannt.

Auch andere Techniken, wie z.B. das Schweißen, kommen zum Einsatz. Oft drückt sich in Vasconcelos' Werken ihre Identität als Frau und Portugiesin aus. So erregte sie 2005 auf der Biennale in Venedig mit der Konstruktion A Noiva (Die Braut) Aufsehen, die fünf Meter hoch war — und aus 25.000 Tampons bestand.

Ein anderes Beispiel ist ihre frühe Skulpturreihe Independent Hearts, bei der sich gigantische Herzen an einer Kette drehen, während portugiesische Volksmusik erklingt. Zu ihren neueren Werken gehören überdimensionale, aus Stahltöpfen zusammengeschweißte Riesen-Pumps. Eine dieser Konstruktionen, Marilyn, erzielte auf einer Auktion in London einen Preis von £500,000.

Joana Vasconcelos wurde 1971 in Paris geboren. Mit 18 Jahren begann sie ein Studium der Bildenden Künste an der Kunstschule Ar.Co in Lissabon, das sie 1996 abschloss.

Seit 1994 stellte sie ihre Werke regelmäßig aus, zuerst in Portugal, später weltweit, zum Beispiel in Paris, London und San Francisco. Internationale Aufmerksamkeit erzielte sie erstmals 2005 durch ihre Exponate auf der Biennale Venedig. Sie gewann mehrere Kunstpreise, zum Beispiel 2006 den Award The Winner Takes It All von der Berardo Stiftung in Lissabon.

2009 erschien der Dokumentarfilm Joana Vasconcelos: Coração Independente bei Midas Filmes, in dem Regisseurin Joana Cunha Ferreira Vasconcelos und ihr Team bei der Arbeit zeigt. 2010 wurde in der Reihe Künstler hautnah auf ARTE-TV eine Dokumentation über Vasconcelos ausgestrahlt.

Joana Vasconcelos lebt und arbeitet in Lissabon.

http://www.kunstaspekte.de/index.php?k=8341&action=webpages

BM
Füllig und gewichtig: Joana V.

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